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Interview mit Sebastian Mertke, Leiter Global Community Management

Manchmal erscheinen einem die verschiedenen Stationen und Entscheidungen im Leben wie eine lose Ansammlung von Perlen; erst im Nachhinein lässt sich erkennen, wie sich alles im Laufe der Zeit zu einer schmucken Kette zusammengefügt hat und somit in der Retrospektive Sinn ergibt. So auch bei Sebastian Mertke. Studiert hat der gebürtige Saarbrücker und zweifache Familienvater in Mainz empirische Kommunikationswissenschaften mit Schwerpunkt Marketing und Kommunikation. Nebenher vertieft er seine Qualifikationen im Bereich PR-Analyse und Medienauswertung. Nach dem abgeschlossenen Magister zieht es ihn in die Werbewirtschaft. Dort arbeitete er mehr als zwei Jahre bei einem der größten weltweit agierenden Werbenetzwerke in der Markenberatung. So weit so gut, könnte man nun folgern. Wenn da nicht ein früheres Praktikum bei Porsche gewesen wäre.

Der Porsche 919 Tribute trägt die Namen aller Teammitglieder.


Herr Mertke, in der Clubwelt spricht man gerne vom „Porsche Bug“ – einmal infiziert, lässt er einen nie mehr los. Es scheint, auch Sie kamen so zu Porsche?
Ja tatsächlich, denn letzten Endes entschied sich mein Weg über ein lang zurückliegendes Praktikum bei Porsche im Bereich Organisation Porsche Carrera Cup und Porsche Supercup. Dort tauchte ich auch zum ersten Mal in die Welt des Porsche Motorsport ein. Und das ist etwas, was mich nie mehr losgelassen hat. 2013 erfuhr ich, dass Porsche die Wiederkehr nach Le Mans vorbereitet und dafür gerade ein Marketingteam zusammenstellt. Und das war für mich als absolut sportaffiner Mensch die ideale Kombination: Marketing und Porsche Motorsport – für mich die absolute Traumvorstellung eines Jobs. Zu meinem Glück bekam ich den Job und konnte dort die internationale Marketingkampagne „Mission 2014. Our Return.“ aufsetzen. Wir agierten komplett eigenständig und eigenverantwortlich und konnten ein vollumfassendes Konzept erstellen, mit dem wir sowohl Porsche-intern erst einmal alle mitgenommen haben, als auch extern kommunizierten, dass Porsche wieder nach Le Mans zurückkehrt. Und vor allem konnten wir unsere strategischen Aussagen kommunizieren und somit unsere Markenpositionierung weiter stärken: Dass wir den Sportwagen der Zukunft entwickeln wollen und in dem Projekt 919 Hybrid die Technik-Komponenten stecken, die heute die E-Mobilität prägen.

Die Rückkehr nach Le Mans, sicher eine Zeit voller großartiger Erlebnisse?
Das war eine ganz tolle Zeit, in der ich viel über das Unternehmen gelernt habe: Welche Strahlkraft diese Marke hat, wie besonders sie ist. Und dass der Motorsport etwas extrem Emotionales mit einem ausgeprägten Community-Gedanken ist. Dieses Motorsport-Team war eine eingeschworene Familie, die unglaublich zusammengehalten hat. Man fühlt sich als Teil von etwas Größerem, wenn man zu Porsche gehört. Und das ist es, was die Marke einzigartig macht. Und ich denke, das ist auch bei den Porsche Clubs so. Und darum ist diese neue Aufgabe so unglaublich spannend, bei der ich mich auch in Zukunft um das Thema Community kümmern darf, weil ich fest davon überzeugt bin, dass dies in Zukunft unser größtes Unterscheidungsmerkmal sein wird. Heritage, Community und der Familiengedanke sind das, was uns von den anderen Herstellern unterscheidet. Dort liegt unsere Zukunft und das müssen wir noch viel stärker fördern.

Sowohl die Rückkehr nach Le Mans als auch die Marketingkampagne waren ein unglaublicher Erfolg mit großer Auswirkung auf die heutige Wahrnehmung der Porsche AG. Was waren für Sie die schönsten Momente und was wird für Sie bleiben?
Natürlich in erster Linie der Sieg 2015. Da lagen wir uns alle in den Armen und haben den Erfolg des Teams gefeiert. Aber ich werde auch nie vergessen, wie wir 2014 ausgeschieden sind und anschließend alle vollkommen enttäuscht in der Hospitality saßen. Dr. Wolfgang Porsche hat damals das Mikrofon in die Hand genommen und der Mannschaft gesagt, dass er unglaublich stolz ist auf das Team, auf das, was wir erreicht haben, und wir den Kopf nicht in den Sand stecken sollen. Dass wir Le Mans nächstes Jahr gewinnen werden. Das war für die Mannschaft ein ganz besonderer Moment, in der anschließenden Stille hat man gespürt, wie das jeden berührt hat. Es sind einfach diese Momente, die Porsche ausmachen, die dir zeigen, dass du eben Teil eines großen Ganzen bist.

War 2015 mit dem Sieg dann der Höhepunkt erreicht? Es folgte ja noch der Hattrick.
2015 haben wir wahr gemacht, was Dr. Wolfgang Porsche prophezeit hatte. Für unsere Kampagne war das der Höhepunkt und ich bin heute noch stolz darauf, Teil dieses Teams gewesen zu sein. Überrascht hat mich damals der Erfolg unseres Sieges-T-Shirts „Challenge accepted“. Jeder in der Box bekam das T-Shirt, die Vorstände trugen es, alle Porsche Mitarbeiter haben eines bekommen und man sieht heute noch im Werk jeden Tag einen Mitarbeiter eines der Le Mans Sieges-T-Shirts tragen.

Während Ihrer Motorsport-Zeit dürften Sie auch das eine oder andere Mal in Kontakt mit den Clubs gekommen sein.
Wir waren ja auf zahlreichen Rennstrecken: Le Mans, Daytona, Silverstone oder bei der Rennsport Reunion. Überall, wo wir waren, waren die Clubs zugegen und sorgten für die entsprechende Kulisse und Leidenschaft. Was mich von Anfang an vollkommen beeindruckt hat, ist diese Kombination aus Porsche Leidenschaft und – bei aller markentypischen Exklusivität – Unkompliziertheit und Freundlichkeit der Clubmitglieder. Das hat mich schwer beeindruckt. Dieser Enthusiasmus, vor allem wie die Clubmitglieder über ihre Fahrzeuge und die Marke sprechen, wie begeistert sie sind, das war auch für uns als Kampagnenteam absolut inspirierend. Da habe ich begriffen: Das sind die besten Markenbotschafter, die Porsche hat. Weil sie authentisch sind und die Clubmitglieder Porsche wirklich leben. Was die Clubmitglieder dabei nach außen in die Öffentlichkeit tragen, könnte keine Marketingkampagne leisten.

Für mich sind die Clubs deshalb der größte Schatz, den wir bei Porsche haben. Die Begeisterung, die die Porsche Clubs für unsere Marke zeigen, stellt einen Unternehmenswert dar, den man nicht mit Geld aufwiegen kann. Diese starke Community ist unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und sichert unsere Zukunft. Dabei ist es wichtig, dass wir diese Zukunft zusammen mit den Clubs gestalten. Nur mit unseren Fans, unseren enthusiastischen Kunden, können wir eine erfolgreiche Zukunft gestalten. Das wird ohne sie nicht funktionieren. Deswegen freue ich mich auf diese Aufgabe und ich denke, sie ist auch unglaublich wichtig für unsere Marke.

Zumal sich die Wertschätzung der Porsche Clubs auch in der aktuellen Unternehmensstrategie niederschlägt.
In unserer Unternehmensstrategie 2030 ist das Thema „Strong global Community“ ein eigener Bereich. Sprich: „Wir müssen faszinierende Produkte bauen“ steht auf einer Ebene mit „Wir müssen eine starke globale Community erschaffen“. Und deswegen sehe ich es auch als Chance, aus dem Bereich Community Management heraus mit auf die Unternehmensstrategie einzuwirken. Denn gerade das, was die Clubs machen, vermittelt ja das Gefühl, eine starke Porsche Gemeinschaft zu sein. Nach außen wie nach innen. Aus diesem Grund habe ich es mir auf die Fahnen geschrieben, dass wir das noch stärker verankern; dass sich auch die Mitarbeiter und das Management so in die Clubs und in die Communities einbringen, wie das Dr. Wolfgang Porsche und andere Mitglieder der Familie Porsche seit Jahrzehnten bereits tun. Denn nur so ist es auch eine wirklich gelebte Familie.

Auf welche Angebote aus dem Community Management dürfen sich die Clubs in naher Zukunft freuen?
Unsere Aufgabe wird sein, den Clubs Tools zur Verfügung zu stellen, die über die Möglichkeiten der Vernetzung hinausgehen. Das heißt, wir möchten ihnen das Handwerkszeug liefern, mit dem sie noch bessere Clubarbeit machen können. Das Community Management ist ja die zentrale Einrichtung, die die Clubs global betreut und dadurch Programme im größeren Rahmen entwickeln und anbieten kann. Wir werden uns anschauen, was die Clubs in Zukunft benötigen, um die Clubarbeit noch erfolgreicher zu machen. Das gilt für alle wichtigen Zukunftsthemen: Ob das Verjüngung und Nachwuchs ist, Verbreiterung des Angebotes, die strategische Entwicklung, digitale Vernetzung, eine erfolgreiche Sustainability-Ausrichtung, die E-Mobility und die Zukunftsfähigkeit des Clubgedanken. Wir schauen: Wo ist ein Bedarf und wo können wir aus der Zentrale Hilfestellung leisten?

Als PR- und Markenanalyst sind Sie mit Porsche in Kontakt gekommen und durften im Motorsport Porsche als starke Community kennenlernen. Nun sind Sie für diesen weltweiten Community-Gedanken zuständig. Ein guter Anschluss an Ihre bisherigen Tätigkeiten?
Für mich absolut perfekt. Die Communities halte ich für eine der spannendsten Aufgaben, die es aktuell im Unternehmen gibt. Und ich freue mich schon auf die erste Clubveranstaltung, bei der ich dabei sein werde. Wenn alles gut geht, werden das die Internationalen Porsche Tage in Zell am See sein.

Wir können uns nicht über Porsche unterhalten, ohne die Frage nach dem Traum Porsche zu stellen. Was wäre Ihre perfekte Vorstellung eines Porsche Fahrzeuges?
Ich lege bei Fahrzeugen sehr viel Wert auf Ästhetik. Und es gibt da für mich nichts Schöneres als den Elfer. Er ist zeitlos und wunderschön. Mein Traum Porsche wäre immer ein Elfer. Und wenn ich mir einen aussuchen könnte, wäre es ein GT3 Touring. Außen und innen schwarz – sehr puristisch.

Danke für das Gespräch, Herr Mertke, und auf bald bei einer Clubveranstaltung!

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